Ich bin ein Pyramiden-Doktor!

Auf einem Festival im Hochsommer gibt es einen 

Flohmarkt und unter vielem anderen

eine dreistöckige Weihnachtspyramide – ohne Flügel.

In Erinnerung an meine kindliche Faszination

gegenüber der Weihnachtspyramide meiner geliebten Oma

kann ich nicht widerstehen – und erwerbe sie käuflich.

Natürlich auch wegen Le.

Vor ein paar Wochen besorge ich mir endlich beim großen

Online-Flohmarkt zwölf neue Flügel. Diese werden schnell geliefert

und die Pyramide beflügelt. Die goldenen Tellerchen für die Kerzen

befreie ich von roten Wachsresten der Vorbesitzer.

Ein paar hölzerne Zäunchen klebe ich fest.

Vorgestern finde ich dann auch endlich Bienenwachskerzen

in der württembergischen Landeshauptstadt.

Diese füge ich unter Le’s staunenden Blicken

auf ihre güldenen Teller

und stecke die Halterungen

in die dafür auf der untersten Ebene

vorgesehenen Schlitze.

Nun zünden Le und ich die 6 Kerzen an –

und ich erkläre: „Jetzt geht’s gleich los, pass auf!“

Doch: es tut sich nichts. Gar nichts.

Die kleinen Flammen werden gelöscht.

Enttäuscht gehen wir im schneereichen Wald walken,

auf der Suche nach meinem bei der letzten Wanderung verlorenen Spike.

Ich überlege schon, den technisch und handwerklich versierten Kindsvater anzusimsen,

um meine Hilfsbedürftigkeit zu bekunden…

Kein Spike, aber immerhin: mir fällt ein, dass da noch ein kleines rundes Teilchen

mit weißer Keramikfüllung übrig ist nach dem Zusammenbau der Pyramide.

Zu Hause versuche ich das Stück zwischen Pyramidenboden

und die unterste, drehbare Ebene zu klemmen, das geht jedoch nicht.

Unterhalb der Pyramide entdecke ich ein Loch,

dessen Durchmesser zum kreisförmigen Teil passt, aber nicht von alleine hält.

Ich erspähe zwei Schlitze, in die sich ein flacher Span

(den ich mir vom Feuerholz des nahen Kamins mopse)

schieben lässt und der das runde Teil festklemmt. Ha!

Ich zünde wieder die Kerzen an: „Jetzt geht’s gleich los, pass auf!“

Doch: es tut sich wieder nichts. Gar nichts.

Wir blasen die Kerzen aus.

Bei genauerem Studium der einzelnen Ebenen fällt mir

ein eingetrockneter Klebstoffrest an der unteren Holzsäule

sowie unterhalb der ersten Decke auf.

Da muss ein Zusammenhang bestehen…

Die Kerzen werden entflammt und diesmal halte ich mit zwei Fingern

zwischen den Kerzen die Ebene mit Maria, Josef, Jesus und dem Engel hoch

und plötzlich fangen die Waisen im Erdgeschoss und die Hirten plus Schafe

im ersten Stock zu rennen an!

Ich hätte mir ja gleich denken können, dass die heilige Familie

nicht mitsprintet, sie befinden sich erstens im Wochenbett

und zweitens sind sie ja der Grund für den ganzen Rundlauf!

Noch mal Lichter aus.

Ein paar Tropfen Sekundenkleber, eine kopfstehende Pyramide

und ein paar Minuten später läuft die Pilgerschar umringt

von einem halben Dutzend Kerzen wie sie soll.

Ich bin glücklich.

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2 Comments

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2 responses to “Ich bin ein Pyramiden-Doktor!

  1. menase

    Waaaaahnsinn! Das hat ja noch einiges an Tüftelei gekostet – aber es hat sich gelohnt!Bin gespannt die Pyramide in Action zu sehen!lg

  2. louisella

    Ja, ich bin ehrlich gesagt ganz schön stolz auf meinen dedektivischen Spürsinn…hätte ich mir gar nicht zugetraut. Schön, wenn man sich über sich selbst wundern kann.

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